Die Kunst des ChiPushing

Für einige wird sich vielleicht die Frage stellen, wie Tai Chi und Longboarden überhaupt zusammen passen können? Das eine ist eine langsame und meditative Art der Bewegung mit Wurzeln in der Kampfkunst und kann als Grundlage spiritueller Weiterentwicklung dienen. Das andere ist eine sehr aktive Art der Fortbewegung mit Hilfe eines Bretts und vier Rollen, wobei es oft um Geschwindigkeit und schnellere Bewegungen geht.

Jedoch haben beide Arten der körperlichen Betätigung mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Bei beidem geht es um Balance. Beim Longboarden ist es wichtig, ein gutes Gleichgewicht zu entwickeln und beizubehalten und beim Tai Chi lernt man einen sicheren festen Stand einzunehmen, der es einem z. B. ermöglicht fest auf einem Bein zu stehen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Außerdem dienen die langsamen sanften Bewegungen beim Tai Chi auch nur als grundlegende Übung, mit deren Hilfe man sich besser erden und die innere Kraft des Chi erfahrbar machen kann, um sie letztlich in die Bewegungen einfließen zu lassen. Wenn Tai Chi als Kampfkunst zum Einsatz kommt, dann können diese Bewegungen auch sehr schnell und mit großer Kraftentfaltung ausgeführt werden. Im Prinzip liegt das Wesen des Tai Chi als Bewegungskunst darin, sich ohne großen Einsatz der Muskeln und dem damit verbundenen Energieverbrauch zu bewegen. Stattdessen werden die Bewegungen mit einer subtilen, aus der Körpermitte kommenden, inneren Kraft ausgeführt.

Damit wird klar, dass die Prinzipien des Tai Chi bei jeder Art von sportlicher Betätigung zur Anwendung kommen können; genauso wie sie als Grundlage effektiver Kampfkunst in China schon seit jeher Verwendung finden. Am besten läßt sich Tai Chi jedoch mit frei ausführbaren körperlichen Bewegungsformen verbinden. Dort kann es besonders nützlich sein beim Laufen (Running/Jogging) oder, wenn es um die Zuhilfenahme von Fortbewegungsmitteln geht, beim Skaten mit Longboards oder Skateboards.

Alle anderen Fortbewegungsmittel schränken die Art der Bewegung durch ihre Bauweise oder die mechanische Führung auf einem bereits vorgegebenen Bewegungsradius zu stark ein oder sind zu stark von der erdenden Kraft des Bodens getrennt. So ist beim Fahrradfahren durch die Pedale kein Kontakt der Füße zum Boden möglich und die Form der Bewegung ist durch den rotierenden Mechanismus vorgegeben. Auch beim Skaten mit globigen Rollerblades ist kein direkter Kontakt der Füße zum Boden möglich und Scooter fixieren mit ihren Lenkern die Arme in einer vorgegebenen Halteposition, was eine natürliche und effiziente Bewegung im Sinne des ChiPushing behindert.

Das Pushen eines Longboards/Skateboards hat dem gegenüber noch viel mit der natürlichen Bewegungsform des Menschen, dem Laufen, gemeinsam, da man mit dem Fuß den Boden berührt und diesen in dieser Form direkt als Antrieb für die Fortbewegung nutzt. Das bedeutet für mich, dass das Skateboard bzw. Longboard das natürlichste und effektivste Hilfsmittel ist, das sich der Mensch zur Unterstützung und Verbesserung seiner natürlichen Fortbewegungsweise für das Bewältigen längerer Wegstrecken je ausdenken konnte. Es ist minimalistisch einfach gehalten und kann zugleich in einer für den menschlichen Körper sehr natürlichen Weise bewegt werden.

Durch das Ansprechen einer Vielzahl von Muskeln, die bei der ungeführten Bewegung des Anstoßens zum Einsatz kommen, wird einseitigen Überbelastungen während der Fortbewegung und daraus entstehendem muskulärem Ungleichgewicht vorgebeugt (vorausgesetzt man benutzt beide Beine abwechselnd zum Pushen). Das Pushen ist, genau wie das schnelle Laufen, eine Art der Bewegung, die richtig ausgeführt und unter gleichzeitiger Einbeziehung des ganzen Körpers, den Kreislauf stärkt und eine gesunde Auswirkung auf den gesamten Organismus haben kann.

Fazit: Das Longboard oder Skateboard kann als geniales Fortbewegungsmittel mit viel Potential für  die Menschen betrachtet werden, deren Körperbeschaffenheit von Natur aus für langes Laufen und den Einsatz der Füße und Beine bestens geeignet ist.
ChiPushing ist die dafür existierende Kunst, den menschlichen Körper in idealer und vollendeter Weise für den Antrieb des Boards zu verwenden.

An dieser Stelle möchte ich Danny Dreyer erwähnen, einen Marathon-Läufer aus den USA, der die Anwendung der Prinzipien des Tai Chi beim Laufen/Running schon seit Jahren propagiert und mit der von ihm so genannten Methode des ChiRunning bekannt gemacht hat. Mehr Informationen zum ChiRunning gibt es auf www.ChiRunning.com. Sehr empfehlenswert ist das Buch "ChiRunning: A Revolutionary Approach to Effortless, Injury-Free Running" von Danny Dreyer und Katherine Dreyer. In deutscher Sprache ist das Buch erschienen als "ChiRunning: Die sanfte Revolution der Laufschule". Die darin genannten Erkenntnisse haben mich maßgeblich mit beeinflußt, die Prinzipen des Tai Chi mit dem Longboarden zu verbinden.

Ohne seine Erkenntnisse wäre es für mich nicht möglich, das Longboarden auf langen Strecken so kraftsparend zu betreiben und generell mit mehr Leichtigkeit zu fahren. Dabei ist es meiner Meinung nach mit dieser Methode auch einfacher, auf langen Strecken eine konstante Geschwindigkeit zu halten. Gleichzeitig wird das Longboarden auf wunderbare Weise im Sinne des "Cruisens" mit einer angenehmen, entspannten und entspannenden Art des Pushens bereichert. Wer sich tiefer damit beschäftigt, sich voll und ganz auf den Bewegungsablauf konzentriert und Körper und Geist in Einklang bringt, kann damit das Gleiten mit dem Longboard auf längeren Wegstrecken zu einer besonderen Art der Meditation werden lassen.


The Art of ChiPushing

Perhaps for some the question will arise, how Tai Chi and riding a longboard or skateboard can ever fit together? One of them is a slow and meditative type of movement with roots in the martial arts which can serve as the basis of spiritual development. The other is a very active way of getting around with the help of a board and four wheels, which very often involves a lot of speed, and faster movements.

However, both types of physical activity have more in common than it might seem at first glance. Both of them are about balance. When longboarding, it is important to develop and maintain a good balance and with Tai Chi one learns to take a secure foot stance that e.g. allows a firm stand on one leg without losing balance. And the slow gentle movements of Tai Chi only serve as a basic exercise that will help you to better ground yourself. They can help to experience the inner strength of the Chi, so one can finally let it flow into the movements. When used as a martial art the movements of Tai Chi can be performed very quickly and with great power as well. In principle, the essence of Tai Chi as a movement art is to move without excessive use of the muscles and to reduce the energy consumption associated with their use. Instead, the movements are done with a subtle, inner strength originating from the center of the body.

This shows that the principles of Tai Chi can be used with any type of physical activity; just as they have always been the basis for an effective martial art in China. However, Tai Chi can be best connected to free executable physical forms of motion. Here it can be especially useful when running or jogging, and when it comes to movements performed with the aid of means of transportation, while longboarding or skating.

All other means of transport limit the type of movement by mechanical guidance on a pre-specified range of motion too much or are too much separated from the grounding force of the soil. E.g. when riding a bicycle one uses the pedals to move forward and no contact of the feet to the ground is possible. In addition the kind of the movement is dictated by the rotating mechanism. Even while skating with rollerblades no direct contact of the feet to the ground is possible because of the big footwear and scooters force you to keep the arms motionless in one place because you have to hold the handlebars. This restricts a natural and efficient movement according to the principles of ChiPushing.

The pushing of a Longboard still has much in common with the natural form of people`s movement, walking or running, as one touches the ground with ones feet and directly uses them in this way to generate the drive for moving forward. This leads me to the conclusion that a skateboard or longboard is the most natural and effective resource that a human being could ever think of to support and improve its natural movement while traveling longer distances. It is minimalistic simple and at the same time it can be moved in a way that is very natural to the human body.

By addressing a variety of muscles that are used in the unguided movement of pushing, overstraining of particular muscles and the occurring of muscular imbalances are prevented (assuming one uses both legs alternately for pushing). Pushing is, just like running, a type of movement that if done properly and together with the simultaneous involvement of the whole body, strengthens blood circulation and has a healthy effect on the whole organism.

As a conclusion longboards or skateboards can be regarded as ingenious means of transport with a lot of potential for us humans, whose body composition is by nature well suited for the use of feet and legs on running long distances.
ChiPushing is the supreme art, to use the human body in an ideal and perfect way for riding a longboard or skateboard.

At this point I would like to mention Danny Dreyer, a marathon runner from the United States, who already for years promotes the application of the principles of Tai Chi while Running and has made this idea well known to the public with his so-called method of ChiRunning. You will find more information about ChiRunning on www.ChiRunning.com. Very recommendable is the book "ChiRunning: A Revolutionary Approach to Effortless, Injury-Free Running" by Danny Dreyer and Katherine Dreyer. The findings in this book have decisively influenced me to combine the principles of Tai Chi with longboarding.

Without his findings it would not be possible for me to ride my longboard that effortlessly on long trips and with so much ease in general. In my opinion it is also easier with this method to hold a constant speed during long journeys. At the same time longboarding is enriched with a pleasant, relaxed and relaxing type of pushing which will wonderfully add to cruising around with a longboard. If one looks into this method in depth and fully concentrates on the movement, bringing body and mind into harmony, one can turn the "floating" with a longboard on longer distances into a unique kind of meditation.